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Auszug aus der Festschrift zum 75 Bestehen der Firma:

AUS DER GESCHICHTE DES HAUSES LOUIS RENNER

Gruenderhaus

Louis-RennerIm Jahre 1882 hatte sich nach reiflicher Überlegung, nach vielem Nachdenken und mancher schlaflosen Nacht in der Erkenntnis, dass die Technik im Bau von Musikinstrumenten, in diesem Fall besonders von Klavieren, eine erfolgreiche Zukunft vor sich habe, Louis Renner ohne viel Worte in der Heusteigstraße in Stuttgart eine Werkstatt eingerichtet und begann an einem Herbsttag, um die Mitte des Oktober, mit der handwerklichen Herstellung von Klaviermechaniken.

Trotz des bescheidenen Umfanges des Unternehmens steckte in ihm schon der geniale Funke, der ihm einst Weltruf verschaffen sollte, aber weder sein Gründer, noch seine wenigen Mitarbeiter werden damals geahnt haben, welch starker Baum sich in 75 Jahren aus dem kleinen Bäumchen entwickeln sollte. Erfolg war ihm schon in den ersten Jahren und Jahrzehnten beschieden.

20 Jahre später – im Jahre 1902 – wurden ihm die alten Räume viel zu klein. Aber für den weitblickenden Gründer und Chef war die Vergrößerung kein Risiko mehr. Großzügig und allem Neuen aufgeschlossen ließ er einen für damalige Verhältnisse modernen Fabrikbau an der heutigen Fritz-Reuter-Straße errichten. Auf 35 Köpfe war die Belegschaft angewachsen, aber die rastlose Arbeit, das Planen, Verbessern, Vergrößern, kurz, die Lenkung des ganzen, sich immer weiter entwickelnden Betriebes hatte die Gesundheit des Gründers und Initiator’s Louis Renner so sehr angegriffen, dass er sich im Herbst 1902 ganz vom Geschäft zurückziehen musste.

Oskar-RennerAm 1. Oktober 1902 übernahmen Oscar Renner, ein Sohn des Gründers, und Wilhelm MegenhardtWilhelm-Megenhardt zu gleichen Teilen die Firma. Ersterer als technischer, letzterer als kaufmännischer Leiter traten sie in die Fußstapfen des Vaters und des Freundes und waren mit Erfolg bemüht, dieses so glücklich und genial begründete Unternehmen in seinem Sinne weiterzuführen. Im Sommer 1903 wurde der heute das Mittelstück der Betriebsanlagen bildende Bau bezogen.

Das Jahr 1906 war insofern von Bedeutung für das Unternehmen, als auch die, eine besondere Einrichtung erfordernde Fabrikation von Hammerköpfen aufgenommen wurde. Ständig stieg die Zahl der Beschäftigten in den nachfolgenden Jahren, so dass 1911 bereits die Zahl 100 überschritten werden konnte. Schon musste wieder ein Neubau geplant werden, der die vorauszusehende Ausweitung der Fertigung ermöglichen konnte:
der Ausbau der Fabrik gegen die Fritz-Reuter-Straße wurde vorgenommen und dort der große Querbau errichtet. Nun, da die Raumfrage gelöst war, ging Oscar Renner, immer bereit, die Technisierung seines Unternehmens voranzutreiben, in den folgenden Jahren an die Ausstattung des Betriebes mit neuzeitlichen Maschinen, an die Einführung arbeitssparender Methoden, vor allem aber an die Umstellung von Transmissionen auf den Einzelantrieb mit Hunderten von Elektromotoren.

Um alle Zweige der Herstellung von Klaviermechaniken in einer Hand zu vereinigen und so dem Fabrikationsprogramm eine gewisse Abrundung zu geben, wurde jetzt auch die Fertigung von Flügelmechaniken aufgenommen. 175 Angehörige zählte der Betrieb bei Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914; glücklicherweise dauerte die Unterbrechung, die die Fabrikation von Mechaniken und Hammerköpfen erfuhr, nur kurze Zeit. Schon wenige Jahre nach Beendigung der Feindseligkeiten stieg die Zahl der Beschäftigten auf annähernd 400. Der Ruf, den die Erzeugnisse der Firma Renner auf dem Gebiet der Klaviermechaniken im In- und Ausland erworben hatten, bedingte ein stetiges Anwachsen des Betriebes trotz Inflation und innerpolitischen Krisen, und in den Nachkriegsjahren 1925/26 musste der Fabrikbau gegen Osten zu eine erhebliche Erweiterung erfahren.

Dann aber zog 1928 ein schmerzliches Jahr herauf: am 13. Dezember wurde Oscar Renner durch seinen plötzlichen Tod mitten aus seiner Arbeit heraus der Firma entrissen. Der Verlust des erst fünfzigjährigen Chefs bedeutete für das Unternehmen einen schweren Schlag, und die Lücke, die sich durch sein Hinscheiden öffnete, schien zunächst kaum schließbar zu sein.

Wilhelm Megenhardt wurde nun durch Schicksal und Eignung dazu bestimmt, die Geschicke des Betriebes allein zu leiten, und er steuerte mit sicherer Hand das Schiff durch die schwere Wirtschaftskrise und dann durch die noch größeren Schwierigkeiten des zweiten Weltkrieges. Denn als der Krieg im Jahre 1944 seinem unausbleiblichen schlimmen Ende entgegenging, da geschah es. In der Nacht vom 24. auf 25. Juli, als fast ganz Stuttgart in Flammen stand, ergriff das Feuer auch die Fabrikanlagen der Firma Renner. Alle Gebäude brannten lichterloh, Wasser fehlte, nichts konnte gerettet werden, alles schien vernichtet und verloren.

1945-Fabrikruinen„Was nun?“ fragten die treuen Helfer dieser entsetzlichen Nacht. „Wieder aufbauen!“ antwortete Wilhelm Megenhardt. Weiter nichts! Und sofort begann er mit der fast nicht zu bewältigenden Arbeit eines Wiederaufbaues im Kampf gegen einen Wall von Hindernissen. Bei dieser riesigen Arbeit unterstützten ihn treue, alte, mit dem Betrieb verwachsene Kräfte. Trotzdem schien es beinahe nicht zu schaffen, denn nur ungefähr 15 Prozent der Betriebsanlagen waren in einigermaßen verwendbarem Zustand geblieben. Aber nichts konnte seinen eisernen Willen und seine ungeheure Energie lähmen. Rollladen-Stäbe ließ er in notdürftig hergerichteten Werkstätten herstellen, um die Mittel für die Aufräumungsarbeiten und den ersten Wiederaufbau zu beschaffen.

Dann erstand als erstes wieder der Vorrichtungsbau, in der die meisten für die Mechanikfabrikation erforderlichen Maschinen gebaut werden müssen, da sie nirgendwo her zu beziehen sind. Vom Mittelbau aus dem Jahre 1902 waren wenigstens noch die Außenmauern erhalten geblieben. Er wurde als nächster neu aufgebaut und ausgestattet. Auch in den Renner-Werken bewahrheitete sich das deutsche Wirtschaftswunder: trotz Zerstörung, trotz unendlicher, in schwierigster Kleinarbeit zu überwindender Hindernisse erstand ein Betrieb wieder aus dem Nichts.

Und schon 1948, also nach dreieinhalb Jahren, konnten die ersten Mechaniken die Firma wieder verlassen. Chef und Mitarbeiter waren sich einig, dass, dem Rufe des Hauses entsprechend, keine „Kriegsware“ geliefert werden durfte, sondern beste Friedensqualität. Obwohl vorläufig nur Deutschland selbst beschickt werden konnte, meldete sich sehr bald das Ausland wieder mit Aufträgen; es vertraute auf die aus Friedenszeiten her bekannten guten „Rennerschen“ Erzeugnisse. Um so wichtiger war es, erst mit Lieferungen zu beginnen, als man in der Lage war, die Mechaniken und Hammerköpfe in der altbekannten Qualität hinausgehen zu lassen. Der Name „Renner“ durfte nicht aufs Spiel gesetzt werden: er war ebenso eine Verpflichtung wie eine Gewähr. Im In- und Ausland konnte man sich wie eh und je auf diesen Namen verlassen, und so war es keineswegs erstaunlich, dass Belegschaft und Einrichtungen in raschem Tempo wachsen mussten, um allen Nachfragen gerecht zu werden. Schon wieder wurden die Fabrikationsräume viel zu eng und drängten in notwendiger Ausweitung die Büroräume auf den denkbar kleinsten Platz zusammen.

Manfred-RennerIn der dauernden Bedrängnis der Überbeschäftigung und nötigen Erweiterung war es eine schöne Fügung des Schicksals, dass im Jahre 1951 der Enkel des Gründers und Sohn des früh verstorbenen Oscar Renner, Dr. Manfred Renner, in die Firma eintreten konnte. Er hatte Studium und entsprechende praktische Ausbildung absolviert und übernahm nun im Sommer 1952 als weiterer geschäftsführender Gesellschafter die technische Leitung des Betriebes. Mit jugendlichem Eifer nahm er die Zügel in die Hand und ließ den weiteren Wiederaufbau bis zur ursprünglichen Ausdehnung durchführen, so dass als Abschluss der Bautätigkeit im Herbst 1955 auch das Hauptgebäude in der Fritz-Reuter-Straße wieder bezogen werden konnte.

Auch ein weiterer Helfer und Mitarbeiter wird der Leitung der Renner-Werke erstehen in Wolf-Fritz Oettler, dem Enkel von Wilhelm Megenhardt. Noch bereitet er sich nach einer im eigenen
Betrieb durchlaufenen abgeschlossenen Lehrzeit, nach längerer Tätigkeit in befreundeten deutschen Häusern des gleichen Faches, nach ausgedehntem Aufenthalt in Nord- und Südamerika darauf vor, seinem Großvater Stütze zu sein und sein Nachfolger zu werden; bald wird er seinen Platz im Hause Renner antreten können.

Jetzt, im Herbst 1957, ist die Belegschaft auf über 400 Köpfe angewachsen, und immer noch und immer wieder ist die Anspannung aller Kräfte erforderlich, um der unausgesetzt steigenden Nachfrage zu genügen. Flügelmechaniken, Pianomechaniken in den verschiedenen Ausführungen für Instrumente von 80 bis 138 cm Höhe und Hammer köpfe sind gleichermaßen begehrt, sowohl in Deutschland wie im gesamten Ausland. Es müssen laufend selbst Fachkräfte herangebildet werden, weil ihre Ausbildung eine ganz spezielle ist und ausgebildete Mitarbeiter nicht zu bekommen sind. Ist doch die Qualität der Renner-Mechaniken – bei aller Ausnützung maschineller Einrichtungen zum Ersatz menschlicher Kräfte – vorwiegend handwerklicher Arbeit bewährter Meister und Gehilfen zu verdanken.

So ist aus der kleinen Werkstätte von 1882 innerhalb von 75 Jahren ein weltweites Unternehmen geworden. Der Leitgedanke, den Kunden in aller Welt die Renner-Mechaniken in denkbar bester Qualität zu liefern, ist das werbende Moment, das der Firma überall Freunde geschaffen hat, die ihr treu bleiben, wie sie selbst ihrem Prinzip treu bleiben wird: ihre Mechaniken stets nach den neuesten praktischen und musikwissenschaftlichen Erkenntnissen zu vervollständigen und die Qualitäten nach Möglichkeit immer noch zu steigern. Bescheiden waren die Anfänge, weit der Blick, groß die Erfindungsgabe und kühn die Bestrebungen des Gründers und seiner Nachfahren, beispiellos und umfassend der Welterfolg des Unternehmens.

Auszug aus der Festschrift zum 100 Bestehen der Firma:

Im Jahre 1960, im hohen Alter von 85 Jahren, übergab Wilhelm Megenhardt seinem Enkel, Wolf-Fritz Oettler, die kaufmännische Leitung des Betriebes. Dieser hatte sich durch eine abgeschlossene Lehre, längere Tätigkeit in befreundeten Häusern der Klavierbranche sowie durch ausgedehnte Aufenthalte in Nord-und Südamerika auf diese Tätigkeit vorbereitet.

Die Nachfrage nach Renner-Mechaniken stieg weiter. Es gab jedoch keine Erweiterungsmöglichkeiten auf dem vorhandenen Betriebsgelände. So wurde im Oktober 1960 in Östringen (Kraichgau) eine ehemalige Zigarrenfabrik käuflich erworben und ein kleiner Zweigbetrieb für Montagearbeiten eingerichtet. Auch ein Teil der Hammerkopfproduktion wurde von den 50 Mitarbeitern des Östringer Zweigbetriebs vorgefertigt.

Wilhelm Megenhardt verstarb am 14. Juni 1965 im Alter von 90 Jahren. Er hatte bis zu seinem Tode an der Entwicklung des Hauses Renner regen Anteil genommen.

Nach 20jähriger Tätigkeit schied Wolf-Fritz Oettler zum 31.3. 1969 unter Beibehaltung seines Geschäftsanteils aus, um sich in Übersee neuen Aufgaben zu widmen.

Mit Rolf W. Zehender, der bereits seit Juli 1962 im Hause Renner beschäftigt war, wurde am 1. April 1969 erstmals ein Nichtgesellschafter Geschäftsführer und Nachfolger von Wolf-Fritz Oettler.
Die nächsten Jahre brachten zunächst den Wiederaufbau des Hauses Forststraße 191 mit 10 Wohnungen und Sozialräumen für die Belegschaft.

Nach schwerer Krankheit starb am 7. Februar 1973 der erst 59jährige Dr. Manfred Renner, so dass in der Führungsspitze wieder eine Lücke entstand.

Zum 1. Januar 1977 wurde Rudolf Genger, ebenfalls ein Nichtgesellschafter, zum technischen Geschäftsführer berufen.

Es erhöhten sich nicht nur die Produktionszahlen von Mechaniken und Hammerköpfen, sondern es bestand auch ein steigender Bedarf an sorgfältig ausgeführten Reparaturen und an einer zuverlässigen Belieferung mit Ersatz- und Zubehörteilen. Die bereits bestehende Bestandteileabteilung wurde erweitert, ein großzügiges Lager eingerichtet und ein in der Fachwelt bestaunter Katalog veröffentlicht. Heute ist diese Abteilung ein wesentliches Element des Renner-Unternehmens.

Die Entwicklung einer Mechanik für niedrige Klaviere und das zunehmende Interesse des Auslands an der Renner-Qualität brachten einen weiteren Aufschwung. Neue Produktionsräume für eine Erweiterung wurden in Odenheim, in der Nähe des schon bestehenden Zweigbetriebes Östringen, gefunden. Am 1.7. 1974 erfolgte der Kauf einer stillgelegten Weberei und am 24.10. 1974 konnte noch ein benachbarter Sägewerksbetrieb nebst einigen Einzelparzellen erworben werden, so dass heute ein Areal von über 2 Hektar zur Verfügung steht. Nach umfangreichen Planungs- und Umbauarbeiten erfolgte im Spätsommer 1975 die Verlegung der gesamten Rohholzverarbeitung, der Hammerkopfleimerei und weitere Vormontagearbeiten in das neue Werk. Der kleine Zweigbetrieb Östringen wurde geschlossen und das Personal nach Odenheim übernommen.

Die Hauptaufgabe stellte sich in der Ausbildung zusätzlichen Personals, um weiterhin Mechaniken in der bewährten Renner-Qualität verkaufen zu können. Heute, im Jubiläumsjahr, beschäftigt das Haus Renner um 500 Mitarbeiter und hat inzwischen nahezu 2 Millionen Mechaniken und Hammerkopfsätze hergestellt.

Für eine wirtschaftliche Fertigung war es dringend erforderlich, neben den notwendigen Handarbeiten Arbeitsvorgänge auf Maschinen zu verlegen, die eine Renner-Qualität garantieren. Gleichzeitig ist die Ausbildung neuer Mitarbeiter durch unseren bewährten Meisterstamm laufend erforderlich. Der aus einer kleinen Werkstatt 1882 entstandene Betrieb ist nun in
100Jahren zu einem weltbekannten Unternehmen geworden. Der Leitgedanke, den Kunden in der ganzen Welt Renner-Qualitäts Mechaniken zu liefern, hat dem Unternehmen überall Freunde geschaffen.