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Geschichte der Klaviermechanik

Die Mechaniken für Tasteninstrumente

Für unsere Geschäftsfreunde und für alle Liebhaber der Klaviermusik geben wir hier einen kurzen Überblick über die Entwicklungsgeschichte der Hammermechaniken. Es ist jedoch nur möglich, Meilensteine aufzuzeigen, die wesentliche Änderungen bei den Hammermechanikmodellen  hervorbrachten. Als Einleitung sei den Vorfahren der Hammerklaviere eine kurze Betrachtung gewidmet.
An dieser Stelle danken wir für die freundlicherweise vom Landesgewerbemuseum in Stuttgart zeitweilig überlassenen historischen Mechaniken. Als weitere Quelle für unsere Studien benutzten wir das ausgezeichnete Buch „Meisterwerke des Klavierbaues“ von Franz Josef Hirt.

15. Jahrhundert

Früheste Kunde von einem Klavier überhaupt, das merkwürdigerweise einem Hammerklavier ähnlich gewesen sein muss, haben wir durch ein um 1440 in lateinischer Sprache geschriebenes Traktat des Niederländers Heinrich Arnold von Zwolle, das erst in jüngster Zeit in einem Archiv der Pariser Nationalbibliothek entdeckt wurde. Nach dieser einmaligen Kunde gibt es bis Ende des 17. Jahrhunderts kaum eine Nachricht über hammerklavierähnliche Instrumente.

17. Jahrhundert

Im Zeitalter der Renaissance und des Barocks bis Ausgang des 17. Jahrhunderts kannte man bei Tastensaiteninstrumenten das leise und süß-wehmütige Clavichord sowie das metallisch-rauschende Kielklavier, das als Spinett oder Cembalo gebaut wurde und unter diesen Namen heute noch bekannt ist und auch gelegentlich noch gespielt wird. Klangfarbe (Klangspektrum) und Tonfülle ergaben sich neben der Mensuration durch die Art,wie die Saiten in Schwingungen versetzt werden.

Das Klavichord

Beim Klavichord ist auf jeder Hintertaste ein oben einem Spatel gleichender Metallstift oder Metallplättchen befestigt. Durch Nieder drücken der Taste wird dieser Stift von unten an horizontal liegende Saiten, die etwa parallel zur Vorderfront der Taste verlaufen, geschlagen, die dadurch in eine klingende Länge abgeteilt und in Schwingungen versetzt werden. Die Metallstifte nennt man auch Tangenten. Alle so erzeugten Töne haben einen wunderbaren Schmelz.
Durch einen in der Stärke wechselnden Druck auf die Taste kann sogar ein angenehmes Beben hervorgebracht werden. Der Saiten-klang hält nur so lange an, als die Saiten von den Tangenten berührt werden. Sobald die Taste losgelassen wird, werden die Töne durch das auf der stummen Seite der Saiten eingezogene Tuch abgedämpft. Durch einen differenzierten Anschlag konnte auch das Tonvolumen mäßig beeinflusst werden. Die Mechanik war die denkbar einfachste Konstruktion und hatte eine sehr leichte Spielart.

Das Kielklavier

Spinett und Cembalo haben eine ganz andere Art der Saitenerregung. Auf den Tasten ruhen rückwärts sogenannte Docken (schwache Holzplättchen), die in Rechen geführt sind. Im Oberteil jeder Docke ist an einer gelenkig und federnd angebrachten Zunge seitlich ein angespitzter
Federkiel – in späterer Zeit ein hartes Lederstückchen – befestigt. Bei einem Tastenanschlag werden die Docken zwischen den Saiten nach oben gedrückt und letztere vom vorstehenden Federkiel von unten – einem scharfen Zupfen gleich – angerissen und zum Ertönen gebracht.
Beim Loslassen der Taste fällt die Docke durch ihr mit Blei beschwertes Eigengewicht zurück, wobei der Federkiel durch das Auslenken der Zunge seitlich an den Saiten vorbeigleitet, bis das am oberen Dockenende angebrachte Dämpferfilzchen auf die Saiten zu liegen kommt und sie abdämpft. Die Lautstärke konnte durch dieses Anzupfen nur wenig variiert werden. Hierfür waren andere Einrichtungen vorhanden.
Die Cembalos wurden auch mehrmanualig gebaut, so dass dieses Instrument durch seinen vollen Klang bei größeren Konzerten sich Geltung zu verschaffen wusste.
18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert begann die Ära des Hammerklaviers, das uns heute – zur kunstreichsten und subtilen Vollkommenheit entwickelt – als ideales Instrument für Haus und Podium dient.

Das Hammerklavier

Bei diesen Instrumenten werden die Saiten durch Hämmerchen und bei der ältesten Bauart auch durch Tangenten angeschlagen. Damit die Saiten klingen können, müssen die Hämmerchen die Saiten nach dem Schlag sofort wieder freigeben. Dadurch musste auch ein anderer Mechanismus
verwendet werden. Das geschieht immer so, dass der den Hämmern oder Tangenten erteilte Stoß aufhört, ehe sie die Saiten berühren.
Bei den einfachsten Konstruktionen wird nur die Tastenbewegung durch eine Leiste begrenzt, während bei entwickelteren Ausführungen der Stößer den Hammer vor dem Anschlag verlässt und ihn vollständig freigibt, so dass er die ihm erteilte Wucht an die Saiten weitergibt und zurückfallen kann.
Bei Prellzungenmechaniken wurden die mittels einer Gabel auf den Tasten befestigten Hämmer durch die räumliche Bewegung der Hammerachsen von der Prelleiste oder Prellzunge abgetrieben und ausgelöst. Um den Rückfall der Hämmer abzubremsen, wurden Fänger angebracht. Noch später hat man weitere Teile hinzugefügt, um den Hammer bei einem geringen Tastenrückfall festzuhalten bzw. wieder anzuheben, so dass das ausgelöste Stoßelement mittels einer Feder in seine Stoßlage zurückgedreht werden kann. Dadurch konnte, ehe die Taste wieder in ihre Ruhelage zurückkehrt, ein neuer Anschlag erzielt werden.
Durch das zweckmäßige Anbringen solcher Elemente war die Repetitionsmechanik erfunden. Die frühesten Konstruktionen waren zum Teil auch ohne Dämpfungseinrichtungen.
Bei späteren lautstärkeren Instrumenten musste sie zwangsläufig überall eingeführt werden. Für die Hämmerchen wurden Holzkerne genommen, die ursprünglich blank waren oder eine Ledergarnitur hatten. Seit etwa 100 Jahren werden auch Filze verwendet. Einzelne Erfinder nahmen noch anderes Material.
Zur Entwicklung des Hammerklaviers ist folgendes zu erwähnen: Als Mechanik des ersten von Heinrich Arnold von Zwolle um 1440 konstruierten Klaviers wird eine Tangenten-Hammermechanik beschrieben, die einer Kielklavier-Mechanik – zwar nicht im Wesen, jedoch im
Aufbau – ähnlich ist. Auf den Tasten ruhen rückwärts lose Holzstößer (auch Tangenten genannt), die in Rechen geführt werden. Auf dem Kopf dieser Docken waren Metalldrähte befestigt. Bei einem Tastenanschlag wurden der Beschreibung nach die mit Blei beschwerten Tangenten nach oben geschleudert, wobei sie durch den Stoß die horizontal liegenden Saiten in Schwingungen versetzten und sofort wieder auf die niedergedrückte Taste zurückfielen. Der Tastentiefgang war rückwärts durch eine Prelleiste begrenzt.
Mit Beginn des 18. Jahrhunderts treten mehrere Erfinder neuer Hammermechaniken vor die Öffentlichkeit. Ihre immer fortschreitenden Erfindungen, teilweise Überschneidungen, sind höchst interessant. Da ist zunächst einmal:

1705

Ein Sachse namens Pantaleon Hebenstreit, der mit seinen Konzerten auf einem Hackbrett, das wahrscheinlich dem schon in der Bibel erwähnten und im Orient immer noch anzutreffenden Psalterium nachgebildet war, Aufsehen erregte. Dieses Hackbrett, dem Ludwig XIV. zu Ehren des
Erfinders den Namen „Pantalon“ gab, maß wohl als Vorläufer des Hammerklavieres betrachtet werden.

Um 1709

Bartolomeo Cristofori aus Padua hat in Florenz einen Hammerflügel mit einer neuen Hammermechanik gebaut, und eine weitere von ihm stammende Konstruktion aus dem Jahre 1720 zeigt eine Mechanik mit einem für jene Zeit erstaunlichen Maß von Vollkommenheit.Mechanik 1709 Bartolomeo Cristoori
Bei einem Anschlag auf die Taste hat der rückwärts in der Taste beweglich angeordnete Stößer einen Treiber betätigt, der den Stoß übersetzte und ihn nahe des Hammerdrehpunktes an den Hammer weitergab. Ehe dieser die Saiten erreichte, wurde die Stoßzunge zwangsläufig ausgelöst, so dass der Hammer durch seine Wucht die Saiten anschlagen und zurückfallen konnte, wobei er von einem Fänger abgebremst wurde. Nach dem Rückfall der Taste in ihre Ruhelage konnte der Stößer mittels einer Feder wieder unter den Treibernocken gleiten.
Hinter dem Hammer befand sich eine Dämpfungseinrichtung in Form einer Docke, deren oberer, mit Stoff garnierter Teil auf den Saiten aufsaß. Bei einem Anschlag wurde dieser Dämpfer von den Tasten abgehoben, so dass die Saiten frei schwingen konnten. Mit Rückkehr der Taste in die Ruhelage fiel der Dämpfer auf die Saiten zurück. Für die Hämmer wurden unter anderem auch zu Ringen gerollte Pergamentstreifen verwendet, wobei die Anschlagstellen dieser Rollen mit Lederchen garniert waren. Die Rollen selbst waren auf Holzklötzchen, die auf einem Hammerstiel
saßen, befestigt. Die Auslösung des Stößers konnte durch einen fängerähnlichen, auf einem Draht sitzenden und als Auflage dienenden Polster einreguliert werden.

Fast um dieselbe Zeit 1716

hat der Franzose Jean Marius der Pariser Akademie Konstruktionen von Hammermechaniken eingereicht.Unabhängig von ihm legte

Mechanik von Christoph Gottlieb Schröter 1717

Mechanik von Christoph Gottlieb Schröter 1717

1717

Christoph Gottlieb Schröter, ein Deutscher, dem Kurfürsten von Sachsen und König von Polen in Dresden zwei Neukonstruktionen, eine mit aufwärts und die andere mit abwärts schlagenden
Hämmern, vor.

1731

baute Gottfried Silbermann in Freiberg bei Dresden zwei Hammerflügel mit Prellmechaniken, bei denen der Hammer gelenkig in je einer auf der Taste sitzenden Kapsel befestigt war. Beim Niederdrücken einer Taste wurde der Hammer durch die räumliche Bewegung der Hammerachsen an die Saiten geprellt, indem der hinter der Achse sitzende Schnabel von einer Prelleiste festgehalten wurde. Nach Johann Sebastian Bachs Angaben hat Silbermann diese Mechanik noch weiter verbessert, die als „Deutsche Mechanik“ sich lange Zeit gehalten hat.

>Mechanik-1773-Johann-Stein

Mechanik-1773-Johann-Stein

1773

hat der Orgelbauer Johann Andreas Stein aus Augsburg, ein Schüler des Straßburger Orgelbauers Johann Andreas Silbermann, die Prellmechanik des Gottfried Silbermann durch Anbringen einer fürjeden Hammer federnd auslösenden Prellzunge (an Stelle der Prelleiste) verbessert. Man nannte diese Mechanik, die sich ohne wesentliche Änderung mehr als ein Jahrhundert behaupten konnte, die „Wiener Mechanik“.

um 1750

Die„Englische Mechanik“ wurde um die Mitte desJahrhunderts als sogenannte Stoßmechanik, die im Grundgedanken auf Cristoforis Erfindung von 1709 zurückgeht, zu großem Ansehen gebracht. Um dieselbe Zeit baute Johann Matthäus Schmahl in Ulm Tafelklaviere in Harfen-Form mit einer Springstößermechanik. Durch Tastenniederdruck gaben die rückwärts auf den Tasten lose sitzenden Stößer, die in Rechen geführt waren, den Stoß an die unbelederten Hämmerchen weiter. Eine eigentliche Auslösungseinrichtung war nicht vorhanden. Durch eine über dem hinteren Ende der Taste sitzenden Prelleiste wurde der Stoß begrenzt. Mittels eines zweiarmigen Hebels wurde eine Dämpfung betätigt. Ein mit dieser Mechanik ausgestattetes, gut erhaltenes Tafelklavier existiert noch.

um 1750 Tafelklavier

um 1750 Tafelklavier

Um 1750 Englische Flügelmechanik

Um 1750 Englische Flügelmechanik

um 1740 Gelenkmechanik

um 1740 Gelenkmechanik

um 1740

Zehn Jahre vorher schon begannen einzelne Instrumentenmacher ihre Hammerflügel
aufrecht stehend herzustellen. Diese Instrumente waren die Voreltern unserer Pianinos. Durch die vertikale Saitenlage mußten eigene Mechaniken entwickelt werden. Bekannt ist ein aufrecht stehender Hammerflügcl des Italieners Domenico del Mela di Gagliano aus diesenJahren, der eine Gelenkmechanik eingebaut hatte.

 1745 Pyramidenflügel Mechanik

1745 Pyramidenflügel Mechanik

Bekannter noch ist die im Jahre 1745

von Christian Ernst Friderici, einem Deutschen aus Gera, in seinen Pyramidenflügel eingebaute Mechanik. Sie stand hinter den Saiten und war eine modifizierte Ausführung des Modells von Cristofori.

um 1720.

Sie hatte rückwärts auf der Taste einen beweglichen und federnden Stößer, der einen Treiber betätigte. Dieser gab den Stoß mittels eines beweglich angebrachten Zwischenstößers an den senkrecht gerichteten Hammer weiter. Für das Abdämpfen der Saiten wurden gelenkig angeordnete Winkelhebel, die über den Hämmern auf einer Leiste befestigt waren, verwendet und durch einen auf der Taste sitzenden Stößer abgehoben. Es war dies wohl die erste Oberdämpfung bei aufrecht stehenden Hammermechaniken. Von jetzt an unterscheidet man die aufrecht stehenden
Pianinos von den tafel artigen Flügeln, eine Unterscheidung, die bei beiderseitiger Vervollkommnung bis zum heutigen Tage geblieben ist.

1790

Philipp Jacob Warth aus Untertürkheim bei Stuttgart baute sogenannte „englische Mechaniken“ in seine Tafelklaviere ein. Er brachte auf der Hintertaste gelenkig eine Stoßzunge an, die durch eine Feder nach hinten gedrückt wurde. Ihre Bewegung war durch zwei Stifte begrenzt. Diese Stoßzunge griff mit ihrer belederten Stoßkante unter eine sogenannte Hammernase und gab so den Stoß weiter.
Das nach vorne zeigende Hämmerchen war an einem Metalldraht befestigt. Durch den hinter der Stoßzunge sitzenden Stift wurde sie so einreguliert, dass sie bei einem Tastenanschlag auslösen und den Hammer freigeben konnte.
Nach dem Rückfall der Taste in die Ruhelage konnte die Stoßzunge wieder unter die Hammernase
gleiten. Ein Dämpfer war ebenfalls vorhanden.

19. Jahrhundert

Mit dem klassizistischen Empirestil zog zugleich das Jahrhundert der großen Pianisten und Komponisten herauf. Hector Berlioz machte den Anfang, Chopin, Liszt, Clara Schumann, Wagner, d’Albert und andere folgten ihm.
Ihnen wohl ist es vor allem zu danken, dass die Technik des Klaviers und des Flügels einen ungeheuren Auftrieb bekam. Waren es doch die Künstler, die aus den Instrumenten die Höchstleistung herausholen wollten und die Instrumentenmacher zu immer größeren Fortschritten
anspornten.

1800

Schon um dieJahrhundertwende wurde in Wien und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika der Bau von aufrechten Hammerklavieren, sogenannten Pianinos, aufgenommen. Matthias Müller, Wien, hat im Jahr 1800 in seine Klaviere die Wiener Prellzungenmechanik mit aufrechtem Hammer
eingebaut.

1807

William Southwell, Dublin, hat bald nach der Jahrhundertwende die aufrechten Hammermechaniken um eine weitere, die Sticker-Action-Auslösungsmechanik, bereichert.

1845 Pianomechanik Robert Wornum

1845 Pianomechanik Robert Wornum

1845

Robert Wornum d.J., London, hat in diesen Jahren die Pianomechanik, Uprigth Action, weiter wesentlich verbessert. Auf einer auf der Hintertaste aufgeschraubten Wippe war eine Stoßzunge eingeachst, die mittels einer Stellschraube für eine präzise und gleich mäßige Auslösung genau einreguliert werden konnte. Mit Hilfe der zwei Schrauben in der Wippe konnte jede Schnabelluft zwischen Stoßzunge und Hammernußnacken beseitigt werden.

Die Unterdämpfung wurde durch einen Winkelhebel von der Taste betätigt. Das Abfangen des Hammers geschah auf dem vorderen Ende des Hammers durch einen zweiarmigen Hebel, der ebenfalls von der Taste mittels eines Stößers in Bewegung gesetzt wurde.

1850

Um diese Zeit bekam die Pianomechanik durch weitere Resonanz verbessernde Anordnungen ihre nahezu heute noch gültige Form. Bei dieser wurde die Stoßzunge an einem am Hammerbalken befestigten Hebeglied eingeachst. Ein Fänger zum Abbremsen des ausgelösten und rückfallenden Hammers ist ebenfalls auf das Hebeglied verlagert worden. Zum Abfangen diente ein in der Hammernuss nach vorn angebrachter Gegenfänger. Um den Hammer beim Zurückkehren des Hebegliedes in die Ruhelage sicher und schnell zurückzubringen, hatte die Hammernuss ein Bändchen, das in einem auf dem Hebeglied befestigten Bändchendraht eingehängt war. Die Pianomechanik von Johann Christian Schleip, Berlin, aus der gleichen Zeit ähnelt der Mechanik von Robert Wornum, lediglich die Unterdämpfung wird von der Taste direkt abgehoben.

1850 Pianomechanik Johann Christian Schleip

1850 Pianomechanik Johann Christian Schleip

um 1850 Flügelmechanik Jean-Henri Pape

um 1850 Flügelmechanik Jean-Henri Pape

Bemerkenswert ist auch die von dem Hannoveraner Jean-Henri Pape um die Mitte des Jahrhunderts in Paris, wohin er mit 36 Jahren übersiedelte, verwendete Mechanik für kleine Pianinos. Bei dieser hatten die auf einem besonderen, auf der rückwärtigen Taste aufgeschraubten Hebel, eine federnde und regulierbare Stoßzunge. Der ausgelöste Hammer wurde nach dem Anschlag beim Rückfall von einem an dem Hebel angebrachten Fänger abgebremst. Unter den Hämmern war eine Unterdämpfung angebracht, die von der Hammernuss betätigt wurde. Pape war es auch, der als erster die Ledergarnierung der Hämmer durch Filz ersetzte.

19. Jahrhundert

Zu Beginn dieses Jahrhunderts hatte sich der Straßburger Sebastian Erard bei den Flügelmechaniken durch eine ingenieuse Neukonstruktion mit doppelter Auslösung (Premiere mecanique ä double echappement d’Erard) in das Buch der Klavierbaugeschichte eingetragen. Seiner Genialität haben wir die Flügelmechaniken mit Vollrepetition zu verdanken.

1825

Seine Mechanik Ausführung war folgende: In der Hintertaste war ein Gelenk befestigt, das durch einen Stellstift mit einem zweiten in dem Hebeglied befindlichen Gelenk verbunden war und den Tastenanschlag an die im Hebeglied drehbar und federnd angebrachte Stoßzunge weitergab. Dieser Stoß wurde auf eine im Hammerstiel befestigte und belederte Rolle an den Hammer weitergegeben.

Kurz vor dem Hammeranschlag an die Saiten wurde die Winkelstoßzunge ausgelöst und konnte mit Hilfe der im Hammerbalken befestigten Stellpuppe präzise einreguliert werden. Auf dem Hebeglied war noch ein zweiter Hebel federnd angebracht und durch einen Haken arretiert. Dieser Hebel oder sogenannte Repetierschenkel wurde durch eine von der Rolle im Hammerstiel sitzenden Regulierschraube im geeigneten Zeitpunkt festgehalten, so dass der Hammer bei einer langsam betätigten Auslösung auf diesen Repetierschenkel zurückfiel und von ihm getragen wird.

Bei einem kräftigen Anschlag drückt der Hammer den Repetierschenkel nach unten, wobei ersterer von einem im geschlitzten Hammerstiel befindlichen regulierbaren Fänger abgebremst wird. Wenn die Taste nun um ein weniges zurückgelassen wird, gibt der Fänger den Hammer frei, der von dem mit richtigem Federdruck eingestellten Repetierschenkel wieder hochgehoben wird, so dass die Stoßzunge für einen neuen Anschlag unter die Rolle gleiten kann, ehe die Taste in Ruhelage zurückgekehrt ist. Dieses Prinzip hat sich bis heute erhalten. Die Dämpfung wurde durch das nach hinten verlängerte Hebeglied betätigt.

1825 Flügelmechanik Sebastian Erhard

1825 Flügelmechanik Sebastian Erhard

1840

Die Erardsche Konstruktion hatum die Mitte des 19.Jahrhunderts der berühmte Virtuose und Klavierbauer in Paris, Henri Herz, etwas vereinfacht und ihr damit die fast endgültige Form gegeben. Hammerflügel mit diesen Mechaniken wurden damals bis zum Ende des Jahrhunderts in aller Welt von den berühmtesten Pianisten bei ihren Konzerten benutzt. Liszt, Clara Schumann, Rubinstein und viele andere, alle waren begeisterte Anhänger der Erardschen Konstruktionen.

Es waren damals wie heute die Künstler, welche durch ihre Virtuosität immer größere Anforderungen an die Instrumente stellten, nach deren Vollkommenheit strebten und so den Klavier- und Mechanikbau befruchteten. Immer wieder wurden die Klavierbauer und die Mechanikwerkstätten angeregt, kleine Änderungen zu machen. Durch die zunehmende Tonstärke mussten schwerere Hämmer eingesetzt werden, die schnarrenden oder klopfenden Geräusche der Mechaniken wurden fast ganz beseitigt, die Achsen und ihre Lagerung wurden laufend verbessert.

20. Jahrhundert

Auch da sind immer wieder kleine Veränderungen nötig und werden auch in größeren Abständen hin und wieder erforderlich, um neuen und wechselnden Musikrichtungen Ausdruck geben zu können.

1950

Jetzt haben die Flügelmechaniken einen Grad der Vollkommenheit erreicht, der höchsten Ansprüchen gerecht wird und kaum zu überbieten ist. Auf die Frage: „Was verlangt heute der Künstler von einer guten Mechanik?“, gibt Dr. Walter Pfeiffer in seinem „Taste und Hebeglied des Klaviers“ die Antwort. Sie lautet: „Die Spieleinrichtung eines Klaviers ist um so vollkommener, je weniger der Spieler sich ihrer bewusst wird und je länger sie die ursprüngliche Ausdrucksfähigkeit und Feinheit zu bewahren vermag, je einfacher sie herzustellen und einzubauen und je leichter sie späterhin nach zurichten ist. Diese Eigenschaften sind der Prüfstein für den Wert jedes einzelnen Spielwerks; sie sind in hohem Maße ein Schlüssel zum geschichtlichen Verstehen der Klaviermechanik. ,Hemmungslose Ausdrucksfähigkeit‘ ist unter ihnen weitaus die wichtigste. Sie immer mehr und allgemeiner zu erreichen und wachsenden Anforderungen gegenüber zu behaupten, ist – nun auf das ganze Klavier bezogen – das vornehmste Ziel unserer Kunst.“Diese „hemmungslose Ausdrucksfähigkeit“ einer Klaviermechanik lässt bei einem differenzierten Anschlag den ganzen Lautstärkenbereich eines Instrumentes vom verhauchenden Pianissimo bis zum durchdringenden Fortissimo hörbar werden. Ja, noch subtiler, denn je nach dem Anschlag muß es möglich sein, die Tonfarbe modulieren zu können. Der konzertierende Künstler schätzt heute die Spielart des Instrumentes ebenso wie die tonliche Qualität.

Einige Künstlerurteile zeigen hier die mannigfaltige Auffassung über die Spielart:

  • alle sind sich einig über die rasante Repetition und Feinnervigkeit in der Spielart.
  • die Mechanik reagiert auf den leichtesten Anschlag.
  • die überaus angenehme Spielart, vor allem seine reichen Nuancierungsmöglichkeiten bis ins äußerste Pianissimo waren für mich als Spieler ein nicht häufiger Genuß.
  • sowie die Ausdrucksfähigkeit beim Spiel durch die leicht ansprechende, hervorragende Mechanik.und es war mir nicht schwer, auf einem solch schönen Flügel die Werke von Rameau, Schubert, Debussy und Ravel wiederzugeben. Die Ausgezeichnetheit der Spielart kam Rameau zugute, die schöne Tonfülle Schubert, und diese beiden Eigenschaften kombiniert waren vollkommen für die Wiedergabe der französischen Meister.
  • Die Erfahrung ist immer dieselbe, wenn man auf Ihrem Flügel spielt. Er hat mich niemals im Stich gelassen. Während des ganzen Konzertes hatte ich das Gefühl einer Sicherheit und eines vollständigen Auftrages als ein Ergebnis der Magie, welche Sie der Mechanik einverleibt haben.
  • seine leicht ansprechende Mechanik macht die größte  Zartheit des Tones und aller Schattierungen zur Erreichung eines wahrhaft mühelosen Ausdrucks möglich.
  • Die Spielart ist gleichfalls außerordentlich angenehm und ermöglicht dank ihrer sehr guten Gewichtsausgeglichenheit sowohl zarteste Schattierungen, wie ein perlendes Passagenspiel.
    und Modulationsfähigkeit in allen Lagen, bei geradezu idealer Spielart.
  • Ein berühmter Klavierbauer schreibt uns:
  • „Die Spielart eines Flügels ist das Produkt der Zusammenarbeit von Mechanikfabrik, Klaviaturfabrik und Klaviermacher. Eine vollendete Mechanik ist die Voraussetzung für eine gute Spielart. Sie allein verbürgt sie aber noch nicht.“
  • „Die Verbesserung der Spielart in den letzten hundert Jahren verdanken wir vor allem den beharrlichen Forderungen und Wünschen der konzertierenden Pianisten.“

Die Renner-Flügel- und Pianomechanik

Sie ist ein Ergebnis reifster Konstruktion in einer kaum noch zu steigernden Präzision der Herstellung. In den Details sind die verschiedensten, oft auch etwas auseinanderliegenden Wünsche unserer Kundschaft kombiniert und vereint worden. Für unsere Mechanik wird nur ausgesuchtes, bestes Material verwendet und laufend überwacht. Bei der Herstellung wird durchweg mit engsten Toleranzen gearbeitet, um eine größtmögliche Gleichmäßigkeit zu erreichen, so daß mit jeder Mechanik eine flüssige, präzise Spielart mit zuverlässigster Repetitionsbereitschaft erreicht werden kann. Sie ist so gut gearbeitet, dass Generationen daran ihre Freude haben können. Bei einem sorgfältigen Einbau erfüllt sie die höchsten Ansprüche. Sie ist das Ergebnis einer fünfundsiebzigjährigen Erfahrung.

Ein Kunde teilte uns die Meinung eines weltbekanntenKünstlers über die Renner-Mechanik mit:
„Der Flügel muß mir gehorchen, sowohl im Piano wie in der Wucht und Kraft. Die Renner-Mechanik tut dies, und wenn sie tadellos reguliert ist, ist die Repetition wunderbar, und die Triller kommen erst richtig zum Ausdruck.“

Die Firma Renner wird auch in Zukunft neue Erkenntnisse, die sich durch Berechnungen, Untersuchungen oder Erfahrungen ergeben sollten, verwerten, so dass Gewähr dafür gegeben ist, daß bei den Renner-Mechaniken nur die beste Konstruktion, in Verbindung mit ausgesuchtem Material zur Verwendung kommt.

Quelle: Festschrift zum 75 jährigen Bestehen der Firma 1957